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Zwischen Tradition und Aufbruch – Studieren in Osteuropa

Mittel- und Osteuropa ist für viele deutsche Studierende noch akademisches Niemandsland. Während sich immer mehr junge Leute aus den neuen EU-Staaten an deutschen Hochschulen einschreiben, nutzen hierzulande noch sehr wenige Studierende die Möglichkeiten für ein Auslandsstudium oder -praktikum in den baltischen Ländern, Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn oder Slowenien. Dabei erwartet sie eine vielfältige Bildungslandschaft an modernisierten, international ausgerichteten Hochschulen. Zudem sind diese oftmals mit den Reformen für einen europäischen Bildungsraum, Stichwort Bachelor und Master, viel weiter als die hiesigen Hochschulen. Aber auch Russland, die Ukraine oder die EU-Beitrittskandidaten Rumänien und Bulgarien bieten interessante Angebote für einen Auslandsaufenthalt.

Dass im Zuge der wirtschaftlichen und politischen Öffnung Osteuropas ein zunehmender Bedarf an multidisziplinär ausgebildeten Osteuropa-Experten entstehen wird, zeichnet sich schon heute ab. So erklärte Staatssekretär Wolf-Michael Catenhusen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Januar:

"Die zunehmende Attraktivität von Hochschulen in Mittel-Osteuropa und den Ländern der GUS für unsere Studierenden und Wissenschaftler kommt genau zur richtigen Zeit. ... Ab Mai wird die Europäische Union 25 Mitgliedsstaaten mit rund 450 Millionen Menschen umfassen. Da kann die zunehmende Zahl der Studienaufenthalte in den östlichen Partnerländern für die wissenschaftliche, aber auch für die wirtschaftliche Zusammenarbeit gar nicht hoch genug eingeschätzt werden."

Eine Möglichkeit, das Portfolio der eigenen Qualifikationen mit "Ost-Kompetenz" anzureichern, bietet ein Studienaufenthalt an einer Hochschule unserer östlichen Nachbarn.

Warum gerade Osteuropa?

Es gibt viele gute Gründe für einen Auslandsaufenthalt in Osteuropa; zum Einstieg nur eine kleine Auswahl:

  • Osteuropa gehört zu den wichtigsten Wirtschaftsregionen für deutsche Unternehmen. Die deutschen Exporte nach Osteuropa sind in den letzten zwei Jahren um jährlich etwa 7% gestiegen. In der Summe ist der osteuropäische Markt nach Angaben der deutschen Bundesbank für deutsche Unternehmen bereits bedeutender als der US-amerikanische Markt. Umgekehrt sind osteuropäische Firmen zunehmend an "West-Kompetenz" interessiert. Landes- und Sprachkenntnisse öffnen damit zahlreiche Türen zu einem wachsenden Arbeitsmarkt für "Ost-Experten".

  • Seit dem 1. Mai, dem Beitritt von acht osteuropäischen Ländern zur EU, besteht keine Visumspflicht mehr. Jeder EU-Bürger darf sich mit seinem Personalausweis 90 Tage in Polen, Ungarn, Slowenien etc. aufhalten. Eine Aufenthaltsgenehmigung für eine Zeit danach kann im Land selbst beantragt werden.

  • Bei der Vorbereitung und während des Auslandsaufenthalts selbst sind leicht Ansprechpartner vor Ort zu finden. Der Garant dafür sind zum einen zahlreiche bestehende Hochschulkooperationen zwischen deutschen Hochschulen und osteuropäischen Partnerinstitutionen. Zum anderen gibt es bereits einen großen Kreis von Personen und Organisationen, die die eigenen Erfahrungen gerne weitergeben.

  • Zahlreiche osteuropäische Hochschulen haben bereits das europäische Leistungspunktesystem ECTS (European Credit Transfer System) eingeführt, so dass eine gegenseitige Anrechnung der Studienleistungen gewährleistet ist.

  • Sprachliche Barrieren werden immer weiter abgebaut, da an vielen Hochschulen deutsch- oder englischsprachige Studiengänge angeboten werden.

  • In Osteuropa ist das Betreuungsverhältnis "Studierende pro Professor" oft besser als an vielen deutschen Hochschulen. Studiert wird in kleinen Klassenverbänden, überfüllte Hörsäle sind eher selten.

  • Die Lebenshaltungskosten sind geringer. Trotz Studiengebühren für ausländische Studierende in den meisten Ländern, sind Lebensmittel, Wohnraum und Verkehrsmittel günstiger als hierzulande.

  • Stipendien und spezielle Förderprogramme erleichtern den Auslandsaufenthalt.

Stipendien und Förderprogramme

Wer sich nun entschlossen hat, für ein Jahr, ein Semester oder einen noch kürzeren Zeitraum den Osten Europas kennen zu lernen, kann verschiedene Förderprogramme in Anspruch nehmen. Der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD), aber auch andere Förderorganisationen bieten zahlreiche Stipendien an. Allein im letzten Jahr wählten 5.000 Deutsche mit Unterstützung durch den DAAD ein osteuropäisches Land für ihren Auslandsaufenthalt.

Die einzelnen Programme können in der Stipendiendatenbank des DAAD abgerufen werden. Die Datenbank kann nach den Kriterien Fachrichtung, Zielland und Status durchsucht werden und liefert eine Übersicht aller möglichen Förderungen, ob Sprachkurs, Praktikum oder Studiengang, sowie entsprechende Bewerbungsvoraussetzungen, -termine und -adressen.

Erasmus und Leonardo da Vinci

Erste Anlaufstelle für alle, die einen drei- bis zwölfmonatigen Studienaufenthalt in Osteuropa planen, sind die ERSAMUS-Büros und Akademischen Auslandsämter an der Heimat-Hochschule. Wenn eine Hochschulpartnerschaft besteht, ist das die einfachste Möglichkeit für eine Austausch.

Wer im Rahmen von ERASMUS in Osteuropa studiert, wird von den Studiengebühren befreit und erhält maximal 200 Euro monatlich. Zudem ist die Anrechnung der Studienleistungen an der Heimathochschule garantiert. Das Berufsbildungsprogramm LEONARDO vermittelt studentische Praktika in Osteuropa. Hinweise zu den Teilnahmevoraussetzungen und Leistungen erhalten Sie unter www.eu.daad.de oder an der Hochschule.

Go east

Go east ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), des DAAD, der Alexander von Humboldt-Stiftung, der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (OA). Finanziert wird die Initiative vom BMBF mit gut 2,5 Millionen Euro jährlich.

Seit 2002 werden deutsche Studierende aller Fachrichtungen durch das Mobilitätsprogramm "go east" unterstützt, wenn sie an osteuropäischen Hochschulen ein Teil des Studiums verbringen wollen. Der DAAD zahlt Sprachkurse, Reisekostenzuschüsse und einen fixen monatlichen Betrag. Sprachkurse, Sommerschulen, ganze Studiensemester oder Aufbaustudiengänge können nicht nur in den neuen EU-Ländern, sondern in insgesamt 27 Staaten von Albanien bis Weißrussland besucht werden. Insbesondere kurze Aufenthalte, z.B. die vierwöchigen Sommerschulen für Architektur in Riga oder Geologie in Petersburg werden stark frequentiert. Für die meisten Angebote kann man sich frei bewerben, einige erfordern jedoch eine Empfehlung des Professors sowie eine bestehende Hochschulkooperation. Die einzelnen Programmangebote sind im Überblick unter http:/go-east.daad.de/content/studierenundforschen/foerderprogramme_daad zu finden.

Die Internetseite von "go east" informiert nicht nur über konkrete Studien- und Förderungsmöglichkeiten, sondern auch über Arbeits- und Lebensbedingungen an den osteuropäischen Hochschulen. Detaillierte Länderinfos zu jedem osteuropäischem Land und Erfahrungsberichte von DAAD-Stipendiaten können dort ebenfalls abgerufen werden.

Speziell für den gegenseitigen Austausch deutscher, tschechischer und polnischer Studierende setzt sich die Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa (GFPS e.V.www.gfps.org) ein. Sie vermittelt mehrere Semesterstipendien und Sommersprachkurse.

Osteuropäische Sprachen lernen

Die Regelungen über die sprachlichen Voraussetzungen sind in den einzelnen osteuropäischen Ländern, Universitäten und Fakultäten sehr unterschiedlich. Die Vorbereitungsmöglichkeiten reichen von einwöchigen Intensivkursen über Sommersprachkurse vor Ort bis hin zu einem mehrmonatigem Sprachkurs in der jeweiligen Landessprache.

Viele dieser vorbereitenden Kurse werden gefördert, beispielsweise durch den DAAD. Eine Übersicht über das DAAD-Angebot finden Sie hier: www.daad.de/ausland/de/3.6.html Zusätzlich werden dort weltweit Organisationen aufgelistet, die Sprachkurse anbieten oder Informationen zu Sprachlernangeboten zur Verfügung stellen. Auch die Mobilitätsinitiaitive "go east" fördert Sprachkurse an den Hochschulen vor Ort (http://go-east.daad.de/content/sprache/sprache_index).

Hochschulkooperationen und Osteuropa-Netzweke

Deutsche und osteuropäische Hochschulen vereinbaren von Jahr zu Jahr immer mehr Kooperationen in Lehre und Forschung. Beispielsweise existieren schon mehr als 600 Partnerschaften mit polnischen, 300 mit ungarischen und 250 mit tschechischen Hochschulen. Dadurch wird zum einen der Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern zwischen den Ländern erleichtert. Zum anderen sind eine Vielzahl neuer Studiengänge mit Schwerpunkt Osteuropa entstanden. Einen Überblick über die internationalen Kooperationen bietet die Hochschulrektorenkonferenz HRK unter www.hochschulkompass.de

Hier einige Beispiele:

Bereits seit 1996 ist die FH Bochum mit der polnischen Universität Olzsytn für Landwirtschaft und Technologie und der rumänischen Akademie für Wirtschaftsstudien (ASE) in Bukarest partnerschaftlich verbunden. Erst seit Juni diesen Jahres kooperieren die TU Chemnitz und die polnische Universität Wroclaw im Bereich der Sozialwissenschaften. Der Masterstudiengang "Europäische Integration – Schwerpunkt Ostmitteleuropa" wird an der TU Chemnitz im Wintersemester 2004/2005 starten.

Die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder und die polnischen Universität Posen organisieren im gemeinsamen "Collegium Polonicum" 15 verschiedene Studiengänge, z.B. den "Master of European Studies".

In der Euroregion Neiße (Deutschland, Polen, Tschechische Republik) bestehen am Internationalen Hochschulinstitut Zittau (IHI) Studienmöglichkeiten, die auf länderübergreifende berufliche Tätigkeiten vorbereiten. Voraussetzung für das 6-semestrige Hauptstudium in Betriebswirtschaftslehre, Sozialwissenschaften, Umwelttechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen ist ein universitäres Vordiplom. Integraler Bestandteil der Studiengänge sind Praktika in Betrieben und Organisationen der Partnerländer.

Die Freie Universität Berlin reagiert auf den Bedarf an Osteuropa-Experten mit einem Online-Studiengang am Osteuropa-Institut. Das Masterprogramm "East European Studies" umfasst die Interpretation gegenwärtiger und zukünftiger Entwicklungen Osteuropas aus multidisziplinärer Sicht. Das Erlernen von zwei osteuropäischen Sprachen ist ebenfalls Bestandteil des Lehrangebots.

Viele deutsche Hochschulen bieten zudem "Osteuropa-Tage" an. Dort werden Interessierte mit Informationen über Studienangebote und Fördermöglichkeiten versorgt. Ob an Ihrer Hochschule eine solche Veranstaltung geplant ist, können Sie beim Akademischen Auslandsamt (AA) vor Ort erfragen.

Für Studierende und Graduierte osteuropäisch-orientierter Fächer existiert das Netzwerk "Initiative OsteuropaStudierender e.V." (IOS). IOS bietet auf www.ios-netz.de alles rund um die Studiengänge, die sich mit der Geschichte, den Gesellschaften oder Sprachen Osteuropas beschäftigen. Neben Foren, Materialien und einem Newsletter sind Infos zu den einzelnen Osteuropa-Instituten deutscher Hochschulen abrufbar.

Das "Osteuropa-Netzwerk" (www.osteuropa-netzwerk.de) eröffnet den Zugang zu Datenbanken, Mailinglisten, Veranstaltungen, Linksammlungen und damit auf alle relevanten Internet-Quellen zu Osteuropa.

Junge (zukünftige) Osteuropa-Experten, die sich in verschiedenen sozialwissenschaftlichen Disziplinen und in der beruflichen Praxis mit Osteuropa einschließlich der GUS beschäftigen, finden im Netzwerk www.joe-list.de Tipps, News und Kontakte.

Studieren in...

Um vorab ein wenig Orientierung zu geben, werden im Folgenden die osteuropäischen Länder mit ihren wichtigsten Hochschulen und internationalen Studiengängen kurz charakterisiert sowie auf weiterführende Informationsquellen verwiesen.

Grundsätzlich gilt, dass in den meisten osteuropäischen Staaten die Allgemeine Hochschulreife als Zugangsvoraussetzung ausreicht. Jedoch ist an fast allen Hochschulen Osteuropas die endgültige Zulassung auch vom Ergebnis eines Aufnahme- und Eignungstests, einer Sprachprüfung oder einer Abi-Durchschnittsnote abhängig. Anders als in Deutschland kommen – zum Teil sehr hohe – Studiengebühren hinzu. Eine Auflistung aller deutsch- und englischsprachigen Studienangebote in Osteuropa findet man auf der Internetseite von "Go East".

Estland, Lettland und Litauen

Die Studiensysteme in allen baltischen Ländern sind dem amerikanischen ähnlich. Ob die Bachelor- und Masterabschlüsse und die Studienleistungen in Deutschland anerkannt werden, sollte vorweg geklärt werden.

Nach Estland und an die sechs staatlichen Universitäten und acht Fachhochschulen verschlägt es noch sehr wenige deutsche Studierende. Für viele Studiengänge bestehen Zulassungsbeschränkungen, vorausgesetzt werden zudem Eignungsprüfungen und Sprachkenntnisse. Generell werden Studiengebühren für ausländische Studierende zwischen 940 und 2.500 Euro pro Jahr erhoben. Speziell für ausländische Studierende ist an der estnischen Universität in Tartu das Studium der "Baltic Studies" gedacht. Mit diesem englischsprachigen Angebot können sie die Geschichte, Kultur und Sprache des Landes kennen lernen: www.ibs.ee

In Lettland wird ebenfalls die Allgemeine Hochschulreife anerkannt. Zudem bilden in der Regel Aufnahmeprüfungen sowie der Nachweis über lettische Sprachkenntnisse weitere Zulassungsvoraussetzungen. Die Gebührenhöhe liegt zwischen 2.000 und 5.000 Euro pro Jahr und ist abhängig vom Studiengang und der gewählten Hochschule. An der Universität von Lettland in Riga besteht ebenfalls der Studiengang "Baltic Studies".

Die Lehrveranstaltungen an der litauischen Hauptstadt-Universität Vilnius finden in der Landessprache statt. Spezielle Studienprogramme, in denen die Sprache gelernt und auf Englisch unterrichtet wird, erleichtern jedoch den Einstieg. Die Allgemeine Hochschulreife wird anerkannt, an jeder Fakultät finden aber noch Aufnahmeprüfungen statt. Die Studiengebühren liegen zwischen 2.000 und 8.000 Euro jährlich. Am International Studies Center der Technische Universität Kaunas wird der Studiengang "Engineering" teilweise auf Deutsch unterrichtet.

Polen

Etwa 150 deutsche Studierende zieht es jährlich nach Polen – hauptsächlich nach Krakau. Das deutsche Abitur wird problemlos anerkannt und die Studienleistungen werden nach dem Punktesystem ECTS angerechnet. Polnisch-Kenntnisse werden vorausgesetzt und alle ausländischen Studierenden zahlen eine einmalige Einschreibungsgebühr von 200 Dollar. In der Regel sollte ein Studium zu Beginn des Wintersemesters aufgenommen werden. Bewerbungen außerhalb eines Stipendiums müssen über die polnische Botschaft erfolgen (Bewerbungsfrist bis 1. Juni).

Zu einer Art nationalem Symbol wurde die Jagellionen-Universität in Krakau. Sie war lange Zeit die einzige Universität des Landes und ist außerdem die zweitälteste Hochschule Mitteleuropas. Insgesamt 30.000 Studenten sind an den zwölf Fakultäten der Universität eingeschrieben. Das Studium der Humanmedizin wird auf Englisch angeboten; die Studiengebühren betragen 10.500 Dollar jährlich, die Aufnahmegebühr 500 Euro. Ein einwöchiger Sprachkurs ist sowohl für das Auslands-BAföG als auch für das "Go east"-Stipendium notwendige Voraussetzung. Eine Orientierungswoche und ein persönlicher Tutor erleichtert Neuankömmlingen den Einstieg.

An der Universität Stettin werden Informatik und Volkswirtschaftslehre je zur Hälfte auf Englisch und Deutsch studiert. Studiengebühren hier: 3.000 Dollar pro Jahr. Das größte Studienangebot in Polen, teilweise auch auf Englisch, stellt die ermländisch-masurische Universität in Oslzytn. Die Lebenshaltungskosten in größeren polnischen Städten weichen kaum mehr von denen westlicher Städte ab und liegen bei gut 400 Euro pro Monat. Stipendiaten haben in der Regel ein Anrecht auf einen günstigen Platz im Wohnheim.

Slowakei

Wie in den anderen Ländern müssen auch in der Slowakei Studiengebühren bezahlt werden. Die Bewerbungsfristen variieren von Hochschule zu Hochschule und von Fach zu Fach; die Unterlagen sollten jedoch bis spätestens Ende Juni an die entsprechende Hochschule gesandt werden. Der Nachweis über fundierte Sprachkenntnisse ist Teil der Zulassungsbedingungen. Einige slowakische Universitäten veranstalten zusätzliche Aufnahmetests.

An der Comenius Universität in Bratislava wird beispielsweise für das Pharmaziestudium neben dem Abiturzeugnis ein Test in Chemie und Biologie gefordert. Wie bei den Studiengängen Mathematik/Computerwissenschaften und Physik ist der Unterricht auf Englisch. Die Studiengebühren reichen von 4.500 bis zu 6.000 Dollar im Jahr. In Kooperation mit der Universität Halle gibt es in Bratislava einen deutschsprachigen Studiengang für Wirtschaftswissenschaften. Deutsche Erstsemester können sich auch an der University of Economics in Bratislava für verschiedene betriebswirtschaftliche Studienfächer einschreiben.

Naturwissenschaftler besuchen gerne die Universität Kosice. Auf Englisch werden hier z.B. Biochemie und Mikrobiologie angeboten. Das englischsprachige Veterinär-Medizin-Studium in Kosice kostet 6.000 Dollar pro Jahr. Wer hingegen die Studiengänge in slowakischer Sprache besucht, muss keine Gebühren zahlen. Der Abschluss wird EU-weit anerkannt

Die Lebenshaltungskosten in der Slowakei sind viel niedriger als in Deutschland.

Slowenien

Ausländische Austauschstudenten sind an den beiden einzigen Universitäten des kleinen Landes südlich von Österreich, Ljubljana und Maribor, und den 21 Fachhochschulen äußerst rar. Das Abitur wird anerkannt, jedoch gibt es zulassungsbeschränkte Studiengänge und obligatorische Aufnahmeprüfungen. Slowenisch ist zum überwiegenden Teil Lehrsprache.

In Maribor sind allein vier Fakultäten verschiedenen Ingenieursstudiengängen gewidmet. Daneben kann man Jura, Pädagogik sowie Wirtschaftswissenschaften studieren. Es gibt keinen zentralen Campus.

Auch Lljubljana ist eine studentisch geprägte Stadt. Die Institute verteilen sich über die Stadt. Bei 20 Fakultäten und drei angegliederten Akademien lassen sich beinahe alle Fächer studieren. Für 250 Euro pro Kurs kann man an Sprachkursen des Auslandsamtes der Universität Lljubljana teilnehmen. Filminteressierten Studenten bietet sich die Akademie für Fernsehen, Film, Radio und Theater an. An der Akademie der Schönen Künste als auch in den Fakultäten für Architektur, Jura, Sozialwissenschaften und Wirtschaft existieren englischsprachige Lehrangebote.

Das Studiensystem orientiert sich weitgehend am amerikanischen Vorbild, sowohl in der Aufteilung undergraduate/graduate studies als auch in den Abschlüssen. Die Anerkennung der Studienleistungen sollte im Vorfeld geklärt werden. Rund 400 Euro im Monat sollten für Lebenshaltung inklusive Wohnung ausreichend sein. Insgesamt ist das Leben in Slowenien nicht erheblich billiger als hierzulande. Eine Hilfe bei der Vermittlung von Unterkünften bieten die Auslandsämter der Universitäten an.

Tschechische Republik

Die Tschechische Republik verfügt zur Zeit über 23 Universitäten und Hochschulen mit 112 Fakultäten. Die wichtigsten Universitätsstädte sind Prag und Brno (Brünn).

Für ausländische Studierende ist an tschechischen Hochschulen eine bestimmte Anzahl an Studienplätzen reserviert. Die Allgemeine Hochschulreife wird für die Zulassung problemlos anerkannt. Bei der Fachhochschulreife hängt die Anerkennung vom gewünschten Studienfach ab. In der Regel ist zum Studium an einer tschechischen Hochschule die Beherrschung der tschechischen Sprache notwendig. Ausländische Studierende, die sich der Aufnahmeprüfung unterzogen haben und auf Tschechisch studieren, zahlen keine Studiengebühren. Eine gute Vorbereitung für ein Auslandsstudium sind die Tschechisch-Sommerkurse, die u.a. an der ältesten Universität Mitteleuropas, der Prager Karls-Universität abgehalten werden. Für die englischsprachigen Angebote entfällt dagegen der Aufnahmetest und es werden Studiengebühren von bis zu 10.000 Dollar pro Jahr erhoben. Die Studienleistungen werden hierzulande angerechnet.

An den Prager Spezialuniversitäten für Wirtschaft oder Technik gibt auch einige zweisprachige Master-Angebote: an der Technischen Universität z.B. "Geodesy and Carthography" oder "Building Engineering and Architecture" für jeweils 5.000 Dollar pro Jahr.

Ungarn

Pro Jahr zieht es 500 deutsche Studierende nach Ungarn, weil dort sehr viele deutschsprachige Studiengänge angeboten werden. Wie für Osteuropa typisch, existieren dort meistens Spezialuniversitäten für bestimmte Fächergruppen. Insbesondere Human- und Veterinärmediziner gehen in die Hauptstadt Budapest. Das Abitur wird prinzipiell anerkannt, zusätzlich werden Aufnahmeprüfungen verlangt. Der DAAD fördert ein Studium in Ungarn vom dritten Jahr an.

An der traditionsreichen Semmelweis-Universität gibt es drei Humanmedizin-Studiengänge: den Ungarischen, den Englischen und seit 1983 den Deutschen. Im englischen Studiengang studieren pro Jahr etwa hundert Studierende aus der ganzen Welt, im deutschen Studiengang können jährlich maximal 150 Anfänger aufgenommen werden. Die Unterrichtssprache im vorklinischen Teil des deutschen Studiengangs ist ausschließlich Deutsch. Ab dem dritten Studienjahr setzen Praktika und Famulaturen eine für den Umgang mit den Patienten erforderliche Kenntnis der ungarischen Sprache voraus.

Eine Medizinerausbildung ist jedoch nicht billig: Im ersten Jahr betragen die Studiengebühren 10.500 Euro. Im zweiten Jahr wird es dann preiswerter und ein guter Notendurchschnitt wird mit weniger Gebühren belohnt. Insgesamt dauert das Medizinstudium sechs Jahre. Nach vier Semestern und abgelegter Vorprüfung ist ein Wechsel an eine deutsche Uni möglich, sofern die Hürde einer eventuell dort verhängten örtlichen Zulassungsbeschränkung für den klinischen Teil der Ausbildung genommen wird.

Seit einiger Zeit bietet auch die Universität Szent Györgyi im südungarischen Szeged ein Medizinstudium auf Deutsch an.

An der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität von Budapest gibt es englisch-, französisch- und deutschsprachige Studiengänge. Seit 1992 besteht in Zusammenarbeit mit der Universität Karlsruhe eine deutschsprachige Ingenieurs-Ausbildung. Mehr als zweihundert junge Leute bewerben sich jedes Jahr für die 120 Studienplätze. Ein Doppel-Diplom aus Karlsruhe und Budapest steigert die Berufsaussichten.

Das ungarische Hochschulsystem ist dem deutschen relativ ähnlich. Üblicherweise ist der Lehrbetrieb jedoch verschulter und wie in den meisten osteuropäischen Ländern legt man mehr Wert auf Wissensvermittlung als auf das selbstständige Forschen und Arbeiten. Die Studienleistungen werden nach dem Punktesystem ECTS bescheinigt. Wer nicht an einem der deutsch- oder englischsprachigen Studiengänge teilnehmen will, muss ausreichende ungarische Sprachkenntnisse nachweisen. Sommersprachkurse mit Schwerpunkten in Landes- und Kulturkunde bieten eine gute Gelegenheit, Land und Sprache kennen zu lernen.

Abgesehen von den Studiengebühren sind die Lebenshaltungskosten in Ungarn nach wie vor niedriger als im Westen Europas. Man sollte mit etwa 150 bis 300 Euro im Monat rechnen. Die Wohnungssuche in Budapest gestaltet sich ansonsten wegen des großen Angebots recht unkompliziert. Auch das Mietpreisniveau fällt günstig aus.

Rumänien, Russland, Ukraine etc.

An der größten Wirtschaftsuniversität Rumäniens, der Akademie für Wirtschaftsstudien (ASE) in Bukarest, gibt es einen deutsch-englisch-französischen Fachbereich. Da den ethnischen Minderheiten 1998 die Bildung in ihrer Muttersprache zugestanden wurde, wird sich das Studienangebot in deutscher Sprache noch erhöhen. Die Hochschulen wählen ihre Studenten aus, deshalb muss man sich direkt bewerben. Für Studiengänge, die in rumänischer Sprache abgehalten werden, muss ein Sprachtest bestanden werden. Bei nicht ausreichenden Rumänischkenntnissen ist ein Vorbereitungsjahr zu absolvieren.

In Russland ist die Zulassung von ausländischen Studierenden nicht allgemeinverbindlich geregelt. Das Abitur reicht jedenfalls nicht aus, fast an allen Hochschulen müssen Aufnahmeprüfungen bestanden werden. Die Bewerbung um einen Studienplatz erfolgt direkt bei den Hochschulen. Das erforderliche Studentenvisum, ist bei der russischen Botschaft zu beantragen: www.russische-botschaft.de. Die meisten Angaben gelten auch für andere Staaten der GUS.

In die Ukraine sind in den letzten Jahren bis zu 700 deutsche Studierende gereist und es bestehen 140 Partnerschaften mit deutschen Hochschulen. Zur Zulassung sind ein Studentenvisum und die Zusage durch den Rektor der jeweiligen Hochschule erforderlich. Für alle, die nicht über gute Sprachkenntnisse verfügen, bildet ein neun- bis zehnmonatiger Sprachkurs den Auftakt. Die betroffenen Bewerber können das reguläre Studium erst aufnehmen, nachdem sie diesen Kurs erfolgreich abgeschlossen haben. Bewerbungsschluss für jegliche Form universitärer Studienangebote ist der 1. März eines Jahres.

Praktika

Wer einen Berufseinstieg in Anschluss an sein Studium vorbereiten und mehr über Land und Leute erfahren will, sollte die Sprache des Ziellandes lernen und Praktika vor Ort absolvieren. Denn auch im Osten Europas gilt es, möglichst frühzeitig die richtigen Kontakte zu knüpfen. Solche Auslandspraktika bieten wertvolle Hinweise für die berufliche Orientierung und erlauben einen Einblick in das Thema "Fremdsprache in der Berufspraxis".

Aussichtsreiche Ansprechpartner bei der Suche nach Praktikumsstellen sind vor allem internationale Unternehmen bzw. Joint Ventures und Filialen von internationalen Unternehmen (Listen sind bei den entsprechenden Außenhandelskammern erhältlich).

Eine umfangreiche Liste mit Kontaktdaten von Organisationen, die Praktika vermitteln, finden Sie auf der Webseite des DAAD unter www.daad.de/ausland/de/3.5.html darüber hinaus auch ausführliche Erläuterungen zu den konkreten Fördermöglichkeiten und Bewerbungsbedingungen. Spezielle Praktika in Osteuropa gibt es auf http://go-east.daad.de/content/praktikum/angebote.

Eine Praktikums-Börse für Osteuropa und Erfahrungsberichte finden Sie unter www.praktika.oei.fu-berlin.de. Die Plattform vermittelt seit 1998 Praktikanten in alle osteuropäischen Länder und ist eine Serviceleistung des Osteuropa-Instituts der Freien Universität Berlin.

Checkliste zur Vorbereitung eines Auslandaufenthalts in Osteuropa

Wer einen Aufenthalt in Osteuropa plant, sollte sich vorab ausführlich über die entsprechenden Rahmenbedingungen und Voraussetzungen des Landes und der jeweiligen Universität bzw. Praktikumsstelle informieren. Idealerweise beginnt man mit den Vorbereitungen bereits ein Jahr vorher.

Das Hochschulsystem

Welche Hochschultypen gibt es? Welche Studiengänge und welche Spezialisierungsmöglichkeiten werden angeboten? Wie steht es um Zulassungsbeschränkungen für das eigene Fach? In den meisten Ländern wird die deutsche Hochschulzugangsberechtigung anerkannt, doch kann es Aufnahmeprüfungen und Zulassungsbeschränkungen geben.

Anerkennung von Leistungen

Um das eigene Studienvorhaben planen zu können, sollte man unbedingt vor der Ausreise klären, welche Studien- und Prüfungsleistungen später nach der Rückkehr an der Heimathochschule anerkannt werden und in welcher Form diese nachzuweisen sind. Ausführliche Informationen hierzu gibt das Akademische Auslandsamt an der Heimathochschule.

Finanzierung des Studienaufenthalts

Geklärt werden sollten, ob und in welcher Höhe möglicherweise Studiengebühren anfallen, wie hoch die Lebenshaltungskosten des Gastlandes sind und welche Möglichkeiten der finanziellen Förderung existieren. In jedem Fall lohnt ein Antrag auf Auslands-BAföG oder auf ein DAAD-Stipendium.

Praktikumsstelle finden

Mögliche Recherchequellen sind neben dem DAAD und der Praktikumsbörse der Freien Universität Berlin immer auch Außenhandelskammern, NGO-Dachverbände und Kultureinrichtungen des Wunschlandes. Nicht zuletzt bietet "Go East" eine Sammlung mit Praktikumberichten und vermittelt potenzielle Ansprechpartner.

Bürokratische Formalitäten

Weitere wichtige Themen sind die geltenden Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen des Gastlandes, wenn es z.B. um Visa-Fragen oder um Jobmöglichkeiten neben dem Studium geht. Gegebenenfalls kann es eine Menge Zeit sparen, die Organisation der Visa-Angelegenheiten einem Reisebüro zu überlassen. Auch über die Bewerbungsunterlagen und -fristen sollte man rechtzeitig Bescheid wissen.

Ausführliche Informationen über die Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen sind auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes unter www.auswaertiges-amt.de in der Rubrik Länder- und Reiseinformationen zu finden oder bei den Botschaften und Konsulaten der betreffenden Länder zu erhalten (Verzeichnis).

Zu guter letzt sollte rechtzeitig ein internationaler Studierendenausweis beim Studentenwerk beantraget werden.

Weitere Infos...

  • Informationen zur Berufsausbildung, zu Studium und Arbeiten in den EU-Mitgliedstaaten, in Norwegen, Island und der Schweiz erhalten Sie im neuen Europaservice der Bundesagentur für Arbeit. An derzeit 16 Standorten sind die Dienstleistungsangebote EURES (Europäische Arbeitsvermittlung) und Euro Guidance (Europäische Berufsberatung) verfügbar. Allgemeine Informationen zu diesen Bereichen erhalten Sie in jeder Agentur für Arbeit sowie bei der Europa- und Auslands-Hotline der Bundesagentur für Arbeit Tel. 0180/5222023 (12 ct/min) und im Internet unter www.europa.eu.int/eures

  • Im europäischen Jugendportal gibt es Infos zu Studieren, Arbeiten und Freiwilligenarbeit/Austausch in Europa: www.europa.eu.int/youth/index_de.html

  • Eine Liste aller internationalen Hochschulkooperationen finden Sie auf www.hochschulkompass.de (mit Suchfunktion).

  • Die Internetseite zur Initiative "Go East": http://go-east.daad.de

  • Bildungsprogramme des DAAD (z.B. ERASMUS): http://eu.daad.de

  • Die Bildungssysteme in den EU-Ländern: www.eurydice.org

  • In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "EINSTIEG Abi" und auf www.einstieg.com finden Sie viele weitere Tipps zu Osteuropa.

  • Informationsportal zur EU-Erweiterung: www.mehr-europa.de

  • Infos zur EU-Erweiterung: www.auswaertiges-amt.de/www/de/eu_politik/vertiefung/erweiterung_html

  • Ein aktueller Überblick über die neuen EU-Länder: Michael Edinger (Hrsg.): Die Neuen. EU-Beitrittsstaaten im Profil. Erschienen bei der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen 2004, ISBN 3-931426-89-0.

Quelle: www.studienwahl.de 09/2004

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