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Studieren im europäischen Ausland

Das Parlamentsgebäude der EU in Strassburg.

Wer eine Zeit im Ausland studiert hat, wird diese Zeit später nicht missen wollen.

Foto: Europäisches Parlament - Referat Audiovisuelle Medien

Sprachkenntnisse vertiefen, andere Kulturen erleben, den eigenen Horizont erweitern. Es gibt viele Gründe, warum immer mehr Studierende ins europäische Ausland gehen: für ein oder zwei Semester, für ein Praktikum oder sogar über die gesamte Studiendauer hinweg. ERASMUS und andere Programme erleichtern die Organisation und die Anerkennung von Studienleistungen. Ein Überblick.

Tom Maeder gehört zu den wenigen, die die Frage, was der Regisseur Ingmar Bergmann und der Naturwissenschaftler Anders Celsius gemeinsam haben, spontan richtig beantworten können: Beide stammen aus der schwedischen Universitätsstadt Uppsala, in der Tom Maeder ab August 2011 für ein Jahr studieren wird. „Über solches Wissen stolpert man zwangsläufig, wenn man sich mit Uppsala beschäftigt“, erzählt der 21-Jährige, der im dritten Semester Geschichte und Philosophie auf Bachelor an der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin studiert. Zu Semesterbeginn startete er seine Recherche auf den Internetseiten des Instituts für Geschichtswissenschaften der HU, wo Partneruniversitäten von Belgien bis Ungarn vorgestellt werden.

Ins Ausland wollte er von Anfang an. Deshalb besuchte er die Infoveranstaltungen des Internationalen Büros an der HU. „Gleich als Erstsemester wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass ein Auslandsaufenthalt sinnvoll ist, und dass es an der Universität an jeder Fakultät Koordinatoren für Austauschprogramme gibt.“ Zwar habe er als „Ersti“ anderes im Kopf gehabt, aber die Bewerbungsfristen behielt er trotzdem im Auge. „Es ist eine Art ungeschriebenes Gesetz, im fünften Semester ins Ausland zu gehen. Man benötigt aber etwa ein Jahr Vorlaufzeit.“ Die nordischen Länder waren ihm sehr sympathisch, vor allem Schweden. Mit diesem Wunsch wandte er sich an die Studienberatung. „Dort wurde genau geschaut, an welchen Universitäten in Schweden ich was studieren kann und welche Module ich belegen könnte.“ Nach mehreren Sitzungen war schließlich ein Learning Agreement (Studienabkommen) aufgesetzt, das festhält, welche Kurse, die er an der Universität in Uppsala erfolgreich absolviert, ihm an der HU Berlin anerkannt werden können. „So verliere ich keine Zeit“, sagt er.

Ganz einfach mit Erasmus

Dass alles so reibungslos läuft, hängt mit dem Erasmus-Programm der Europäischen Union zusammen, in dessen Rahmen Tom Maeder seine zwei Auslandssemester plant. Erasmus fördert den Austausch zwischen Hochschulen in Europa und wird über die akademischen Auslandsämter an den Hochschulen koordiniert. Nahezu jede Hochschule unterhält Partnerschaften, die die Studierenden nutzen können. Wenn man sich beurlauben lässt, werden Auslandssemester nicht als Fachsemester angerechnet, gleichzeitig können die im Ausland erbrachten Studienleistungen aber anerkannt werden. Für seine eigentliche Bewerbung musste Tom Maeder einen Englisch-Sprachtest vorlegen. Hinzu kamen ein Motivationsschreiben sowie Nachweise über erbrachte Studienleistungen.

Sein Zimmer in einem Wohnheim ist bereits gebucht: „Das hängt aber von der Stadt ab. In London ist das sicherlich nicht so einfach wie in Uppsala.“ 150 Euro erhält er monatlich aus dem Erasmus-Topf. Allerdings hat er auch Geld angespart, da er mit Kosten von 700 bis 750 Euro im Monat rechnet. Alles Weitere werde sich vor Ort ergeben, schließlich hat der Student eine Tandempartnerin zugewiesen bekommen, was vieles erleichtere: „Das ist eine schwedische Austauschstudentin, die in Kürze nach Berlin kommen wird. Ich kann ihr hier helfen, und im Austausch kann sie mir in Uppsala zur Seite stehen.“ Aus Erfahrungsberichten weiß er, dass Erasmus-Studierende oftmals unter sich bleiben. Das möchte er umgehen: „Durch meine Tandempartnerin habe ich immerhin schon einen Ansprechpartner vor Ort.“

Mobilität deutscher Studierender nimmt zu

Ein Schild, auf dem steht "Tourist-Information"

Foto: Tilman Weishart

Erasmus ist wohl das bekannteste Mobilitätsprogramm innerhalb Europas. Es ermöglicht sowohl einen Auslandsaufenthalt als auch ein Praktikum von drei bis zwölf Monaten in einem der aktuell 31 Teilnehmerländer. Dazu gehören neben den 27 EU-Mitgliedsstaaten auch Island, Norwegen, Liechtenstein, die Türkei sowie ab Juni 2011 Kroatien und die Schweiz. Allein im vergangenen Jahr nutzten über 24.000 Studierende Erasmus für einen Studienaufenthalt, und nochmal fast 5.000 für ein Auslandspraktikum. Neben Erasmus-Kooperationen pflegen einige deutsche Hochschulen und Fachbereiche auch Direktaustauschprogramme mit ausländischen Partnerhochschulen, über die ein festgelegtes Kontingent an Austauschplätzen für Interessenten der jeweils anderen Einrichtung zur Verfügung gestellt wird.

Der Studie „Internationale Mobilität im Studium“ der HIS Hochschul-Informations-System GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zufolge konnten im Februar 2009 rund 26 Prozent aller deutschen Studierenden im Erststudium einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt vorweisen, sei es ein Studium, ein Praktikum oder einen Sprachkurs. Am mobilsten zeigten sich die Sprach-, Kulturwissenschaftler und Sportler, gefolgt von den Medizinern, den Gesundheitswissenschaftlern und den Wirtschaftswissenschaftlern. Bevorzugtes Ziel waren die westeuropäischen Länder. Deutsche Erasmus-Studierende etwa wählten am häufigsten Spanien, Frankreich und Großbritannien.

„Obwohl die Zahlen insgesamt steigen, haben immer noch viele Bedenken, Zeit zu verlieren“, sagt Claudia Hanke vom International Office der RWTH Aachen. Die technisch-naturwissenschaftlichen Studiengänge etwa lassen wenig Spielraum für Auslandsaufenthalte, dennoch raten die Fakultäten der RWTH Aachen zu diesem Schritt: „Der Gewinn ist einfach größer als der Zeitverlust“, sagt Claudia Hanke. „An der RWTH Aachen können sich Studierende für den Auslandsaufenthalt beurlauben lassen und zahlen in dieser Zeit auch keinen Studienbeitrag.“ Gerade weil der Nutzen so groß ist, wächst die Zahl der Studiengänge, die von vornherein ein siebtes oder achtes Semester für Ausland oder Praktikum in den Studienplan einbauen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) etwa hat im Wintersemester 2010/11 im Programm „Bachelor Plus“ allein fast 60 Projekte, die ein Auslandsjahr vorsehen, gefördert.

Eine andere Variante ist die Option Doppelabschluss, bei der die Studierenden nicht nur den Abschluss an der Heimathochschule, sondern auch den der jeweiligen Partnerhochschule erwerben können. Vorreiter dieses Modells ist der Verbund deutsch-französischer Hochschulen, in dem rund 170 Partnerhochschulen aus Deutschland, Frankreich und – bei trinationalen Studiengängen – anderen europäischen Ländern organisiert sind. Etwa 130 Studiengänge sind derzeit im Angebot. Interkulturelle Erfahrungen während des Studiums ermöglichen auch Studiengänge, die im Rahmen grenzüberschreitender Hochschulkooperationen angeboten werden, beispielsweise EUCOR (Europäische Konföderation der Oberrheinischen Universitäten), die Internationale Bodensee-Hochschule (IBH) oder die Neisse University. Speziell für Masterstudierende sind wiederum die „Joint-Master-Programme“ interessant, bei denen das Studienprogramm von mehreren Institutionen gemeinsam entwickelt und anerkannt wird. Auch hier gibt es Fördermöglichkeiten, etwa im Rahmen des EU-Mobilitätsprogramms Erasmus Mundus.

Finanzierungsmöglichkeiten

Erasmus

Wer über das Erasmus-Programm einen studienbedingten Auslandsaufenthalt absolviert, kann monatlich einen Mobilitätszuschuss von maximal 300 Euro erhalten. Für Praktika im Ausland gibt es maximal 400 Euro Zuschuss. Zusätzlicher Bonus: Erasmus-Studierende zahlen an den ausländischen Partnerhochschulen keine Studiengebühren und können sich während des Auslandsaufenthalts an der Heimathochschule beurlauben lassen, wodurch in der Regel auch der Studienbeitrag entfällt. Anlaufstellen für das Erasmus-Programm sind die akademischen Auslandsämter (heißen mittlerweile vielfach „Büro für internationale Angelegenheiten“ oder „International Office“) der Hochschulen.
http://eu.daad.de/eu/llp/informationen-fuer-studierende/studium/09338.html

Mit Erasmus in den Master

Zu den Fördermaßnahmen des EU-Mobilitätsprogramms Erasmus Mundus gehören auch Master- und Promotionsprogramme, die von mindestens drei europäischen Hochschulen gemeinsam ausgerichtet werden. Im Rahmen von Erasmus Mundus werden EU-finanzierte Stipendien vergeben, einerseits an nichteuropäische Studierende, die in Europa studieren möchten, andererseits an europäische Studierende, die in einem Erasmus-Mundus-Studiengang eingeschrieben sind und einen dreimonatigen Studienaufenthalt an einer nichteuropäischen Hochschule planen. Auf folgender Seite finden Sie die Joint-Master-Programme, die im Rahmen des Mobilitätsprogramms Erasmus Mundus gefördert werden: http://eacea.ec.europa.eu/erasmus_mundus/results_compendia/
selected_projects_action_1_master_courses_en.php
.

BAföG im Ausland

In den EU-Ländern und der Schweiz ist es möglich, für die Regeldauer eines kompletten Studiums Auslands-BAföG zu bekommen. Außerhalb dieser Länder, zum Beispiel in Norwegen, sieht es so aus, dass Studierende für einen Auslandsaufenthalt von in der Regel bis zu maximal einem Jahr Auslands-BAföG erhalten können, in Ausnahmefällen auch bis zu zweieinhalb Jahren. Außerhalb von EU und Schweiz gibt es zudem einen Auslandszuschlag, dessen Höhe je nach Zielland variiert. Generell beinhaltet das Auslands-BAföG etwa eine einmalige Reisekostenpauschale und es werden notwendige Studiengebühren bis zu maximal einem Jahr und 4.600 Euro übernommen. Die Studiengebühren, die bei Auslandsaufenthalten (anders als im Inland) ausnahmsweise erstattet werden können, gibt es sogar als Vollzuschuss, das heißt, sie müssen nicht zurückgezahlt werden. Übrigens: Wer Auslands-BAföG bezieht, kann gleichzeitig Geld aus dem Erasmus-Topf bekommen.
http://www.bafoeg.bmbf.de

Stipendien

Auch mit Hilfe von Stipendien können Sie Ihren Auslandsaufenthalt finanzieren. Ein gutes Informationsportal ist der Stipendienlotse des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Der Stipendienlotse listet zahlreiche Stiftungen und Institute auf, die Stipendien auch für ein Auslandsstudium vergeben, so zum Beispiel das Jahresstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Wer übrigens mit dem neuen Deutschlandstipendium gefördert wird, erhält auch während eines studienbezogenen Auslandsaufenthalts innerhalb des Bewilligungszeitraums seine Fördersumme. Im Rahmen des ERASMUS-Programms gilt das auch dann, wenn der Stipendiat gleichzeitig einen Mobilitätszuschuss vom DAAD erhält.

http://www.stipendienlotse.de

http://www.deutschland-stipendium.de

Jobben im europäischen Ausland

Natürlich können Sie auch jobben, um sich einen Studienaufenthalt im europäischen Ausland zu finanzieren – insofern es zeitlich möglich ist. In EU-Staaten ist es für deutsche Studierende in der Regel kein Problem zu arbeiten, da sie hier keine Arbeitserlaubnis beantragen müssen. Das gilt auch für Nicht-EU-Länder wie Norwegen, Island, die Schweiz und Liechtenstein. Weitere Informationen hält etwa die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) bereit.
http://www.ba-auslandsvermittlung.de

Bildungs- oder Studienkredit

Eine weitere Möglichkeit, ein Studium im Ausland zu finanzieren, ist ein Kredit. Das Bildungskreditprogramm des Bundes in Kooperation mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beispielsweise kann unabhängig von eigenem Einkommen und Vermögen sowie dem der Eltern beantragt werden. Der Bildungskredit beläuft sich auf maximal 7.200 Euro und kann in Monatsraten von bis zu 300 Euro ausbezahlt werden. Auch hier ist eine Kombination mit anderen Finanzierungsangeboten, wie etwa BAföG, möglich. Dasselbe gilt für den allgemeinen Studienkredit der KfW, der für vorübergehende Auslandsstudienaufenthalte bei fortbestehender Immatrikulation im Inland mit monatlichen Auszahlungen bis zu 650 Euro offensteht. Einen Überblick über alle Studienkreditangebote, einschließlich der privater Geldinstitute, stellt beispielsweise das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in seinem „CHE-Studienkredit-Test“ bereit, der jährlich aktualisiert wird.

http://www.bildungskredit.de

http://www.kfw.de/kfw/de/Inlandsfoerderung/Programmuebersicht/KfW-Studienkredit/index.jsp

http://www.che-consult.de/studienkredittest

Interview

Enormer Gewinn an Soft Skills

Stephanie Trigoudis ist Koordinatorin für Internationale Angelegenheiten an der Philosophischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin. Sie gibt Auskunft, wie und wann man am besten ein Auslandssemester plant und gibt Tipps für die Anerkennung.

Wann ist ein guter Zeitpunkt, um ins Ausland zu gehen?

Stephanie Trigoudis: Es gibt keinen allgemeingültig vorgeschriebenen Zeitpunkt. Für viele Studierende bietet sich jedoch das fünfte Semester an, um für ein oder zwei Semester ins Ausland zu gehen. Da die Studierenden mindestens ein Jahr Vorlaufzeit für die Recherche und die Bewerbung brauchen, sollten sie im dritten Semester mit den Vorbereitungen beginnen. Zu diesem Zeitpunkt sind sie mit den Modulen des Bachelors vertraut und können auch inhaltlich besser die Veranstaltungen planen, die sie an der Gastuniversität besuchen möchten. Schließlich geht es ja bei dem Auslandsaufenthalt nicht nur um den Erwerb von Sprachkenntnissen, sondern auch um fachliche Inhalte. Wer lediglich seine Sprachkenntnisse verbessern möchte, sollte lieber an einem Sommercamp oder anderen Kursen teilnehmen. Wenn es möglich ist, empfehlen wir, zwei Semester im Ausland zu verbringen. An der Humboldt-Universität kann man sich für ein Jahr freistellen lassen, sprich zwei Urlaubssemester wählen. Das ist in Deutschland jedoch von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich.

Wie kann man Probleme mit der Anerkennung im Ausland erbrachter Studienleistungen vermeiden?

Stephanie Trigoudis: Am besten funktioniert die Anerkennung im Rahmen eines Austauschprogramms. ERASMUS ist innerhalb Europas das größte Mobilitätsprogramm, bei dem die Studierenden aus unterschiedlichen Partnerhochschulen wählen können, mit denen ihre Universität Verträge abgeschlossen hat. Das hat den Vorteil, dass viele Fragen leicht zu klären beziehungsweise im Vorfeld bereits festgelegt sind.

Viele Hochschulen haben Büros für Internationale Angelegenheiten eingerichtet. Was können diese leisten?

Stephanie Trigoudis: An den meisten Hochschulen gibt es in der Regel ein übergeordnetes Internationales Büro und manchmal auch Koordinatoren in den jeweiligen Fakultäten. Unser „International Office“ ist zum Beispiel für die Philosophische Fakultät II zuständig. Wir beraten Studierende, die meist mit recht vagen Vorstellungen zu uns kommen. Unser Schwerpunkt liegt auf der Auswahl der passenden Universität: Wir kennen die Partneruniversitäten und deren Angebote, gleichen die dort angebotenen Module mit dem Studienplan des Studierenden ab und schlagen passende Kurse vor. Am Ende wird dann in einem sogenannten Learning Agreement definiert, welche erfolgreich absolvierten Kurse an der HU Berlin anerkannt werden. Je mehr Gedanken sich ein Studierender über seine Ziele vorab gemacht hat, umso effektiver können wir beraten. Zudem stellen wir Erfahrungsberichte bereit, vermitteln Tandempartnerschaften und haben eine Onlineplattform eingerichtet, auf der sich Auslandsstudierende einer Hochschule vernetzen und austauschen können.

Studierende haben oftmals Angst, durch einen Auslandsaufenthalt Zeit zu verlieren. Stimmt das?

Stephanie Trigoudis: Die Vorteile, die ein Auslandsaufenthalt mit sich bringt, überwiegen in jedem Fall. An dieser Stelle von einem Zeitverlust zu sprechen, halte ich für deplaziert. Wenn das Learning Agreement gut besprochen ist, können alle im Ausland erbrachten Studienleistungen an der Heimathochschule anerkannt werden. Dazu kommt der enorme Gewinn an diversen Soft Skills wie zum Beispiel interkulturelle Kompetenz, grenzübergreifende Freundschaften, die Individualisierung des Studienverlaufs und vieles mehr. Wer eine Zeit im Ausland studiert hat, wird diese Zeit nicht missen wollen!

Deutsch-französischer Doppelbachelor:

Zwei in einem

Im deutsch-französischen Studiengang der Fakultät Maschinenbau und Mechatronik der Hochschule Karlsruhe hat sich Tommy Eisenhardt (23) für die Doppelabschluss-Variante entschieden: Am Ende des zehnsemestrigen Bachelor- und Masterprogramms kann er neben dem deutschen Master zusätzlich das Diplôme d’Ingénieur erwerben. Den Bachelor hat er gerade abgeschlossen. Nun startet er in den Master.

Schon als Tommy Eisenhardt mit seinem Bachelorstudium in Maschinenbau angefangen hat, stand für ihn schnell fest, dass er sich für die binationale Variante entscheiden würde. „Am Ende von Bachelor- und Masterstudium hat man dann zwei Abschlüsse in der Tasche – und das ohne zeitlichen Mehraufwand“, sagt der 23-Jährige. Bis zum dritten Semester haben die Studierenden in den Studiengängen Maschinenbau, Mechatronik und Fahrzeugtechnologie an der Fakultät Maschinenbau und Mechatronik Zeit, sich für oder gegen den Doppelabschluss zu entscheiden.

Ein Foto des Porträtierten

Foto: Privat

Die ersten drei Semester verbrachte Tommy Eisenhardt an der Hochschule Karlsruhe, das vierte Semester fand als Praxissemester an der französischen Partnerhochschule statt, der École Nationale Supérieure de Mécanique et des Microtechniques (ENSMM) in Besançon: „Es ist eine Art Vorbereitung auf die zwei Studiensemester, die direkt im Anschluss folgen. Im Praktikum kann man sich ganz auf Sprache, Land und Leute einstellen.“ Wie die meisten hat Tommy Eisenhardt sein Praktikum nicht in einem Unternehmen, sondern direkt an der ENSMM Besançon in einem Labor für Fertigungstechnik absolfviert, wo er ein interaktives Tutorial für eine Werkzeugmaschine im html-Format programmiert hat. Das fünfte und sechste Semester verbrachte er ebenfalls an der französischen Partnerhochschule.

Mittlerweile hat Tommy Eisenhardt seinen Bachelor abgeschlossen und steht am Anfang des Masters Maschinenbau und Mechatronik. Nach drei Semestern kann er den Master of Science erwerben – und nach einem weiteren Semester an der ENSMM auch das französische Diplôme d’Ingénieur de l’ENSMM. Anders als der 23-Jährige entscheidet sich die Mehrheit der Studierenden gegen den Doppelabschluss: „Viele haben Angst vor der Sprache. Auch ich hatte Bedenken, weil ich in der Schule nur drei Jahre Französisch hatte“, gibt er zu. Zur Vorbereitung belegte er deswegen am Sprachenzentrum einen Kurs: „Am Anfang musste ich viele Wörter nachschlagen, aber man kommt schnell rein. Vor allem, wenn man erst einmal vor Ort ist.“

Insgesamt hat er seinen bisherigen Studienaufenthalt in Besançon als durchweg positiv erlebt: „Wir hatten sehr viel Unterstützung von den Professoren. Wenn man Fragen oder Probleme hatte, wurden die umgehend und unbürokratisch beantwortet.“ Unterrichtet wurde an der ENSMM von 8 bis 18 Uhr, wobei jeden Nachmittag Tutorien und Praktika auf dem Plan standen. Da das Studienprogramm von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) gefördert wird, erhielt Tommy Eisenhardt im fünften und sechsten Semester eine Mobilitätsbeihilfe von 270 Euro im Monat. Im vierten Semester, dem Praxissemester, hatte er 400 Euro über das Praktikumsstipendium von ERASMUS bekommen. Den Wohnheimplatz in Besançon organisierte ihm die ENSMM, an der er in absehbarer Zeit wieder studieren wird. „Ich freue mich darauf, wieder an die ENSMM zu wechseln“, sagt er.

Integriertes Auslandssemester:

Ausland als fester Teil des Studienplans

Stephanie Rüsch (23) studiert International Business an der Fachhochschule Dortmund. Von den insgesamt acht Semestern hat sie drei in den Niederlanden verbracht.

Der Studienplan von Stephanie Rüsch sieht im fünften und sechsten Semester ein Auslandsstudium vor und gleich im Anschluss, im siebten, ein Auslandspraktikum. „Das sind eineinhalb Jahre, die ich bis zu meinem Bachelorabschluss bereits im Ausland verbracht habe“, zählt Stephanie Rüsch das für sie stärkste Argument für den achtsemestrigen Studiengang International Business auf. Zurzeit ist sie im achten Semester und steht kurz vor ihrem Abschluss.

Sowohl die zwei Auslandssemester als auch das Praktikum hat die 23-Jährige in den Niederlanden verbracht: Ein Jahr an der Hogeschool van Amsterdam, School of Economics and Management (HES), plus sechs Monate Praktikum beim niederländischen Lebensmittelkonzern FrieslandCampina in Amersfoort. Informationen über die HES bekam sie bereits in den ersten Semestern in den Sprachkursen an der FH Dortmund mitgeliefert: „Englisch ist in unserem Studiengang obligatorisch. Zusätzlich wählt man eine weitere Fremdsprache. Ich habe mich für Niederländisch entschieden“, erläutert Stephanie Rüsch.

Ansichtskarten aus dem Ausland an einer Pinnwand

Foto: WillmyCC

Die Auswahl an Partnerhochschulen ist an der FH Dortmund groß: „Man kann zwei Wünsche angeben, aber in der Regel kommt man an die favorisierte Wunschhochschule.“ Teilweise werden auch Exkursionen zu den Hochschulen veranstaltet. An der HES hat ihr besonders das Unterrichtsangebot gefallen, vor allem die Marketingmodule: „Das kommt meinem Studienschwerpunkt entgegen.“

Die FH Dortmund sorgt dafür, dass die Studierenden keine Einschreibefristen versäumen und gibt Hilfestellung beim Ausfüllen der Formulare. Über die Homepage der HES hat sich Stephanie Rüsch eingeschrieben und ihre Kurse gewählt: „Ich hatte Wahl- und Pflichtfächer.“ Manche Kurse sind auf Auslandsstudierende zugeschnitten, andere besucht sie gemeinsam mit den niederländischen Studierenden. Auch wenn der Hochschulbetrieb an sich an der HES nicht sehr viel anders abläuft als an der FH Dortmund, sei es etwas ganz anderes, in einem internationalen Umfeld zu studieren: „Ich kann nur jedem raten, sich vorab zu überlegen, was man sich von dem Aufenthalt verspricht. Nur so kann man die Zeit effektiv nutzen.“ Beispiel: Die Länge des Aufenthalts: „Ein Jahr war für mich genau richtig. Man braucht Zeit, um sich einzugewöhnen und kann dann einfach mehr mitnehmen.“

Beim Thema Wohnen verzichtete Stephanie Rüsch auf ein Zimmer im Studentenwohnheim: „Da ich lieber in einer WG leben wollte, habe ich mir über www.kamernet.nl selbst ein Zimmer organisiert.“ Für die beiden Studiensemester in den Niederlanden hat sie 170 Euro Mobilitätsbeihilfe monatlich durch ERASMUS erhalten. Den Rest hat sie durch eigene Ersparnisse finanziert.

Den Berufseinstieg sieht die angehende Betriebswirtin gelassen. Durch ihre Auslandserfahrung weiß sie, dass Arbeiten und Leben im Ausland weit unkomplizierter sind, als viele sich das vorstellen: „Alles machbar!“ lautet ihr Fazit. Durch ihre Einstellung erweitert sich das Umfeld potenzieller Arbeitgeber: „Im Ausland zu arbeiten ist für mich kein Muss, aber eine attraktive Möglichkeit.“

Weitere Informationen

Hochschulkompass
Über die Suche lassen sich die Ergebnisse nach Studienformen filtern, z.B. „Internationaler Studiengang“ oder „Inklusive Praxissemester“.
www.hochschulkompass.de

Eine Übersicht über internationale Kooperationen deutscher Hochschulen mit Suchfunktion nach Staaten und Hochschulen bietet der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) unter folgendem Link:
www.hochschulkompass.de/internationale-kooperationen.html

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
Auf folgenden Seiten listet der DAAD Studiengänge mit joint degree oder double degree auf:
www.daad.de/hochschulen/internationalisierung/doppelabschluss/15768.de.html
www.daad.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV)
Detaillierte Informationen zum Studium im europäischen Ausland bietet die ZAV unter „Studierende > Studieren in Europa“.
www.zav-auslandsvermittlung.de

Centrum für Hochschulentwicklung (CHE)
Der „LänderCHEck“ des CHE beantwortet verschiedene Fragen rund ums Studium im Ausland. Im „persönlichen LänderCHEck“ können Sie Ihr indidivuelles Anforderungsprofil erstellen und herausfinden, welches Land zu Ihren Bedürfnissen und Ihrem Geldbeutel passt.
www.che-consult.de/cms/?getObject=702&getLang=de

Sprachtests

Für ein Auslandssemester wird in der Regel ein Sprachtest verlangt.

Vor allem für ein Studium in Großbritannien nützlich ist der IELTS – International English Language Testing System http://www.ielts.org. Der wohl bekannteste Test ist der TOEFL – Test of English as a Foreign Language www.de.toefl.eu.

Vorgestellte Studienangebote:

Hochschule Karlsruhe
Deutsch-französischer Studiengang der Fakultät Maschinenbau und Mechatronik
www.hs-karlsruhe.de/fakultaeten/maschinenbau-und-mechatronik/weitere-studienangebote/dt-franz-doppelabschluss.html

Deutsch-Französische Hochschule (DFH)
www.dfh-ufa.org

Fachhochschule Dortmund
Bachelorstudiengang International Business
www.fh-dortmund.de/de/studint/weg/StudAngeb/fb9_ib.php

Stand: 16.05.2011