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Studieren für den Klimaschutz — Gute Perspektiven für Energie-Profis

Ist unsere Erde in akuter Gefahr? Hat der Klimawandel so gravierende Folgen, dass wir nur noch das Schlimmste verhindern können, statt das Leben auf dem Globus aktiv zu gestalten? Bücher wie "Der Schwarm", in dem die Natur gegen den Menschen zurückschlägt, oder Filme wie "The Day after Tomorrow", in dem der Golfstrom abreißt und sich das Leben auf der Erde radikal ändert, entwerfen Schreckensszenarien, die heute noch in das Reich der Phantasie verbannt werden. Dennoch: Unter dem Eindruck unübersehbarer Veränderungen des Weltklimas und deren Folgen herrscht unter vielen Regierungen Konsens darüber, dass Maßnahmen zum Schutz der Lebensbedingungen auf der Erde konkreter und schneller umgesetzt werden müssen. Dies ist nicht die Aufgabe weniger Spezialisten. Genauso vielfältig und komplex, wie die Ursachen und Wirkungsketten des Klimawandels sind, genauso facettenreich sind die konkreten Probleme und Aufgaben, denen Ingenieure und Wissenschaftler gegenüberstehen.

www.studienwahl.de zeigt die unterschiedlichen Bereiche und Fachrichtungen, die Studierenden viele Chancen für eine professionelle Arbeit für den Klimaschutz bieten.

Regierungen machen Ernst: Gesetzliche Rahmenbedingungen für den Klimaschutz

Das Kyoto-Protokoll zum Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen sowie die EU-Richtlinien zum Klimaschutz, die den Treibhausgas-Ausstoß der EU-Staaten bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990 um mindestens 20% senken sollen, machen Programme und Gesetze der jeweiligen Staatsregierungen notwendig.

Die Bundesregierung verabschiedete kürzlich (18.6.2008) ein zweites "Paket zur Umsetzung des Integrierten Energie- und Klimaprogramms" mit dem Schwerpunkt Energieeffizienz. Als Element dieses Programms tritt am 1. Januar 2009 die Neufassung des "Gesetzes für den Vorrang Erneuerbarer Energien", kurz "Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)" in Kraft.

Als Ziel des Klimaschutzprogramms formulierte Umweltminister Sigmar Gabriel:

"Weg von Öl und Gas, hin zu erneuerbaren Energien und Energieeffizienz."

Gebäude sollen energiesparender ausgestattet, Strom aus Windparks an Nord- und Ostsee in zügig ausgebauten Leitungsnetzen schneller ans Ziel transportiert werden, die LKW-Maut wird umweltfreundliche Fahrzeuge bevorzugen und die Kfz-Steuer auf Basis des CO2-Ausstoßes berechnet werden.

Klimaschutz schafft Arbeitsplätze

Der Schutz des Klimas senke die Energiekosten und schaffe bis 2020 über 500.000 Jobs, so der Minister. Das verspricht einen riesigen Umweltarbeitsmarkt, der laut "informationsdienst arbeitsmarkt Umweltschutz und Naturwissenschaften" (27.5.2008) des Wissenschaftsladens Bonn so attraktiv ist wie nie zuvor. 2007 hat der Zeitschrift zufolge die Zahl der ausgeschriebenen Stellen im Umweltbereich mit mehr als 8.200 eine absolute Rekordmarke erreicht. Besonders gefragt sind Fachleute im technischen Umweltschutz, und hier besonders für den Bereich der erneuerbaren Energien.

Das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (iwr) bezeichnet die erneuerbaren Energien als "unumstrittenen Schlüsselmarkt der Zukunft". Ob Solaranlagen, Bioenergie oder zunehmend Geothermie: Bis 2020 wird ein Zuwachs der Beschäftigten in dieser Branche von derzeit 170.000 auf 300.000 erwartet. Und auch hier sind Ingenieurinnen und Ingenieure als hoch qualifizierte Fachkräfte gefragt.

Doch wer sind diese Fachleute, wo arbeiten sie und was haben sie studiert? Ein Arbeitsmarkt-Monitoring des "informationsdienstes arbeitsmarkt" im Bereich erneuerbare Energien kam zu dem Ergebnis, dass die Arbeitgeber zu knapp 40 Prozent Ingenieure suchten. Ganz vorne lagen dabei Maschinenbauingenieure, Bauingenieure, Verfahrenstechniker, gefolgt von Architekten, Regional- und Raumplanern, Agraringenieuren und Landespflegern. Bei den Naturwissenschaftlern machten Chemiker das Rennen, aber auch Physiker, Biologen und Geowissenschaftler (Geoökologen, Geoinformatiker, Geologen, Geographen und Ozeanographen) waren gefragt. Auf den vorderen Rängen spielten auch die Betriebswirte mit, Schlusslichter waren Fachleute für Kommunikation und Umweltmanagement.

Die Hochschulen haben auf diese Entwicklung reagiert, z.B. mit der Einrichtung spezieller Studiengänge im Bereich der erneuerbaren Energien oder der Erweiterung der Lehrpläne in den traditionellen ingenieurwissenschaftlichen Fächern. Die Bandbreite derartiger Studiengänge oder der möglichen Schwerpunkt- und Vertiefungsangebote ist überraschend groß, und nicht immer verrät die Studiengangbezeichnung auf den ersten Blick, inwiefern es dabei ganz konkret um den Klimaschutz geht. (Beispiele dafür lassen sich unter www.Studium-Erneuerbare-Energien.de im Detail nachlesen.)

I. Energieeffizienz, Energiesparen in bestehenden Systemen

Ein wichtiger Baustein des Energiesparens ist die Vermeidung unnötiger Emissionen jedweder Art. Industrielle Energieeffizienz wird in der Fachpresse immer wieder als riesige finanzielle Ressource für Unternehmen bezeichnet, die noch viel stärker genutzt werden könnte (Zeitschrift "produktion", verschiedene Ausgaben). Dabei gestalten Spezialisten bestehende Fertigungsprozesse effektiver und ressourcensparend. Sie suchen z.B. nach Leckagen an Leitungen für Rohstoffe oder Druckluft, Verlustquellen bei der elektrischen Energie oder prüfen die bauliche Substanz der Industriegebäude auf vermeidbare Wärmeverluste oder Verluste durch veraltete Heizungssysteme.

Unternehmen zur Energieeffizienz beraten

Bernd Grüner berät Unternehmen dabei, wie sie ihre Produktionsabläufe mit weniger Energieverbrauch gestalten können. Der Maschinenbauingenieur hat ein eigenes Consulting-Büro. Mit seinen Mitarbeitern überprüft er zuerst, wo in bestehenden Systemen Wärme oder Rohstoffe verloren gehen. Im nächsten Schritt überlegt er mit dem Auftraggeber zusammen, ob auch Heizanlagen erneuert, andere Energieträger gewählt oder verschiedene Prozesse gekoppelt werden könnten.

"Damit können manche Unternehmen Hunderttausende, wenn nicht Millionen Euro einsparen und schonen obendrein die Umwelt,"

spricht der Energieeffizienzmanager aus Erfahrung.

Ähnliche Aufgaben haben auch Energiefachleute, die bei größeren Firmen angestellt sind.

Energieversorgung maßgeschneidert

Aber auch Energieversorgungsunternehmen suchen für Großkunden verbrauchs- und kostengünstige Lösungen, oft in Form von "Contracting". Dabei planen Ingenieure (zum Beispiel der Versorgungstechnik) komplette Konzepte zur Wärme- und Energieversorgung eines Kunden, von der ersten Idee bis zum Betrieb.

"Während des Studiums fragte ich mich, wo die Zukunft in meinem Beruf liegt, und so kam ich schnell auf die erneuerbaren Energien,"

berichtet Markus Roth, der an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Nürnberg Versorgungstechnik studierte. Nach seinem Diplomabschluss im Frühjahr 2006 kam er auf dem Umweg über ein Planungsbüro für Niedrigenergiehäuser zur N-ERGIE, einem großen regionalen Energieversorgungsunternehmen in Süddeutschland. Auf seinem Weg durch die verschiedenen Abteilungen erwarb er sich als Trainee neben weiteren rein fachlichen Kenntnissen auch wirtschaftliche Kompetenzen sowie Erfahrungen im Umgang mit Kunden. Schließlich fand er in der Tochterfirma impleaPlus seinen jetzigen Platz als Planungsingenieur, mit dem er sehr zufrieden ist.

"Meine Hauptaufgabe ist Contracting, ich plane also im Auftrag von Kunden effektive, kostengünstige und nachhaltige Konzepte zur Wärmeversorgung,"

erklärt Markus Roth. Das Besondere beim Contracting ist, dass das gesamte Konzept maßgeschneidert aus einer Hand kommt. Roth und seine Kollegen übernehmen für den Kunden komplett die Planung, den Bau und den Betrieb einer neuen Anlage zur Wärmeerzeugung. In manchen Fällen wird sie auch mit der Erzeugung von Strom gekoppelt, der in das Netz eingespeist wird. Die Größe der Anlage muss dabei genauso stimmen wie die Art der Energiequelle.

"Das kann eine Heizung für Biomasse sein, zum Beispiel Holzhackschnitzel, ein Blockheizkraftwerk mit Pflanzenöl oder eine Heizung für Erdgas,"

gibt Markus Roth Auskunft. Bei der Entwicklung des Ölpreises sei inzwischen die umweltfreundlichste Lösung oft auch die wirtschaftlichste, stellt er fest.

Für das Contracting bezahlt der Auftraggeber regelmäßig einen Betrag, der im Vorfeld errechnet und vereinbart wurde. Hier kommen dem jungen Ingenieur seine Kommunikationsfreude und seine wirtschaftliche Denkweise zugute, denn damit fällt es ihm leicht, mit dem Kunden zusammen das Projekt zu entwickeln, die richtige Energieart herauszufinden und alle Details zu besprechen.

Für Tätigkeiten in den Bereichen Energiemanagement, industrielles Energieeffizienzmanagement, Contracting und Anlagenplanung qualifizieren insbesondere Studiengänge aus dem ingenieurwissenschaftlichen Spektrum wie z.B. Maschinenbau (ggf. mit den Spezialisierungen Verfahrenstechnik) oder Versorgungstechnik sowie Umwelttechnik und Elektrotechnik.

II. Entwicklung neuer sparsamer und umweltschonender Systeme

Alle Möglichkeiten der Energieeinsparung schon bei der Konstruktion und dem Bau von Produktionsmaschinen, Motoren und Antrieben oder Elektrogeräten konsequent aufzuspüren und zu berücksichtigen, ist nicht nur unter Gesichtspunkten des Klimaschutzes, sondern angesichts verlässlich steigender Energiekosten auch für den wirtschaftlichen Erfolg eines Produktes wichtig. Beispiele dafür sind die Entwicklung energiesparender Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Kühlgeräte oder benzinsparende Fahrzeugmotoren. Neue Technologien zur Wärmerückgewinnung bei industriellen Prozessen oder im häuslichen Bereich – etwa in Passiv- und Minergie-Häusern – dienen ebenfalls dazu, Energiekosten niedrig zu halten und die Schadstoffemissionen zu verringern. Die Automobilindustrie entwickelt mit hohem Aufwand neue Möglichkeiten der Energieerzeugung wie z.B. die Brennstoffzelle, bei der die Energie aus dem gespeicherten Wasserstoff gewonnnen wird, oder den Hybridantrieb, bei dem verschiedene Energiequellen und Antriebstechnologien kombiniert werden.

Leistungselektronik wirkungsvoll für die Umwelt eingesetzt

Auf der europaweit größten Messe für Leistungselektronik, der PCIM im Mai diesen Jahres in Nürnberg, lockten zahlreiche Firmen über 200 Studierende zu einer Infoveranstaltung und warben heftig um Nachwuchs. Firmenvertreter breiteten vor dem potenziellen Ingenieurnachwuchs das ganze Spektrum der High-Tech-Branche aus. Leistungselektronik hat das Ziel, Energie so aufzubereiten, dass sie am wirkungsvollsten zum Einsatz kommt. Die Anwendungen der Produkte sind vielfältig und reichen weit in den alltäglichen Gebrauch elektrischer Geräte hinein: vom PKW- oder Bahnantrieb über Computer, Internet, Kühlschränke, Klimaanlagen bis in die industrielle Stromversorgung in großen Dimensionen.

"Werden alle Möglichkeiten der Technik ausgeschöpft, könnte so viel Energie gespart werden, dass bis 2020 etwa 150 Großkraftwerke überflüssig sind,"

verblüffte Eberhard Petri vom European Center for Power Electronics die Ingenieurstudenten. So war das "heiße Thema" der Messe auch die Energieeffizienz.

Die Referenten der Infoveranstaltung appellierten an das ökologische Verantwortungsbewusstsein der Studierenden und forderten sie auf, sich in den Firmen für den Klimaschutz einzusetzen. Die Stellensituation sei bestens, Tausende von Ingenieuren würden gesucht, bestätigten sie übereinstimmend.

Im Studiengang Elektrotechnik ist "Leistungselektronik" eine der möglichen Vertiefungsrichtungen bzw. Schwerpunktangebote. Die Universität Magdeburg beispielsweise bietet ein Master-Studium "Elektrische Energiesysteme, Studienrichtung Leistungselektronik und regenerative Energiequellen" als weiterführenden Studiengang nach einem Bachelor Elektrotechnik oder einem vergleichbaren Studium an. Schwerpunkt ist die Energietechnik zur "optimalen Gestaltung des Energiewandlungsprozesses".

III. Energiesparen an Gebäuden

Häuslebauer und Hausbesitzer werden künftig stärker in die Pflicht genommen, auch sie müssen zum Klimaschutz beitragen. An neue Häuser stellt der Gesetzgeber den Anspruch, dass sie von vornherein energiesparend geplant werden. Stichwort Energiepass oder Energieausweis, der seit 1. Juli 2008 schrittweise verpflichtend eingeführt wird.

Zahlreiche Architekten haben sich auf Energiesparberatung und Gebäudeenergieausweise spezialisiert. So auch die Architektin Karin Bergmann. Sie berät Hausbesitzer zum Thema Energiesparen.

"Immerhin wird etwa ein Drittel der Primärenergie in Deutschland beim Heizen verbraucht,"

erklärt sie. Eine gute Isolierung der "Hülle" von Häusern und das Dämmen von Wasserleitungen verhindere die Abstrahlung großer Wärmemengen, so die Architektin. Zudem erstellt sie routiniert Energieausweise für Gebäude (fast) aller Art.

Für die spätere Beratung können sich angehende Architekten und Bauingenieure schon während des Studiums in der Regel im Rahmen von Seminaren, Modulen oder Vorlesungen qualifizieren. Themen sind zum Beispiel Gebäudeenergietechnik, Bearbeitung von Energieausweisen, Konzepte für Niedrigenergiehäuser oder die Bewertung des Energieaufwands bestimmter Anlagen.

Sparen mit System: Gebäudeenergietechnik

Einen eigenständigen Bachelor- und Masterstudiengang "Gebäudetechnik/Gebäudeklimatik" bietet die (Fach)Hochschule Biberach. Dort erwerben Studierende interdisziplinäres Know-how, um Gebäude mit einem Höchstmaß an Wirtschaftlichkeit und Ressourcenschonung planen, bauen und betreiben zu können – und dies bei hohen Standards für den Komfort und die Aufenthaltsqualität in den Räumen. Wesentlicher Bestandteil der Ausbildung sind die Bereiche Bauphysik/Gebäudeklimatik sowie die Technologien und Gewerke zur Raumkonditionierung (Heizung, Lüftung, Kühlung) und Fragen der Energieversorgung und Automatisierung für alle Phasen des Gebäudes (Planung, Realisierung, Betrieb und Modernisierung). Wer mehr über das Studium erfahren möchte: der Studiengang stellt sich in einem kleinen Film vor.

Eine Übersicht mit weiteren Studiengänge im Bereich der Gebäudetechnik/ Gebäudeenergietechnik finden Sie mit unserer Suchmaschine, wenn Sie in das Formular als Suchbegriff "Gebäudetechnik" eingeben. Allein die Zahl von bereits zirka 30 speziellen Studiengängen in diesem Bereich zeigt die Bedeutung einer energieeffizienten Versorgung von Gebäuden mit Wärme, Luft und Kälte.

IV. Erneuerbare Energien

Bis zum Jahr 2020 sollen im europäischen Durchschnitt 20 Prozent der Primärenergie aus nachhaltigen Quellen stammen: Sonnen- und Windenergie, Wasserkraft, Erdwärme und Biomasse. Die Studienlandschaft in Deutschland hat darauf reagiert und bietet entsprechende Schwerpunkte oder Vertiefungsrichtungen an. Der iwr rät: "Wer im Bereich erneuerbare Energien zu den Themen Windenergie, Solarenergie, Bioenergie etc. studieren möchte, sollte zunächst ein traditionelles Studium aus den verschiedenen Fachrichtungen (Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften, etc.) absolvieren und eine Universität oder Fachhochschule mit einem entsprechenden Vertiefungsschwerpunkt für erneuerbare Energietechniken wählen."

Gleichwohl wurden in den letzen Semestern auch spezielle Studiengänge im Bereich der erneuerbaren Energien eingerichtet. In der Mehrzahl sind dies noch Masterstudiengänge – können also erst nach einem ersten Abschluss studiert werden –, aber die Zahl der grundständigen Angebote nimmt zu. Dazu gehören die Bachelorstudiengänge "Erneuerbare Energien" (Fachhochschule Amberg-Weiden, Fachhochschule Weihenstephan), Solartechnik (Hochschule Anhalt) und Photovoltaik und Halbleitertechnologien (Fachhochschule Jena).

Der "karriererführer ingenieure" vom April 2008 hat "Grüne Ingenieure" ins Visier genommen. So porträtiert das Magazin den Elektroingenieur Stefan Haupt, der sich schon im Studium am Fachbereich Elektrische Energietechnik der TU Darmstadt auf Photovoltaik spezialisiert hat. Haupt arbeitet als Produktmanager für Solarmodule bei einem Unternehmen, das Solaranlagen baut. Von der Entwicklung, der Konzeption, und den speziellen Merkmalen der Produkte über Dokumentation bis zur Zertifizierung gehört alles in sein Aufgabengebiet, das Solarmodule betrifft. Seine Arbeit macht an der deutschen Grenze nicht halt, er kümmert sich auch um die Tochterunternehmen auf der ganzen Welt. Reizvoll an seiner Tätigkeit findet Haupt, dass er im Bereich erneuerbare Energien zukunftsorientiert arbeiten und die direkte Umsetzung einer Idee in ein fertiges Produkt erleben kann. Mehr als 10.000 Unternehmen gehören in Deutschland zur Solarbranche, die sich im Aufwind sieht und etliche Arbeitsplätze für Ingenieure anbietet.

Ein weiterer umfangreicher Sektor der regenerativen Energien ist die Stromerzeugung aus Windkraft. Für den Bau der Anlagen, die immer mehr vor den Küsten "offshore" gebaut werden, sind oft Maschinenbauingenieure im Einsatz.

Die Bundesregierung setzt in ihrem Klimaprogramm ebenso auf Energie aus Biomasse wie Holz, Holzhackschnitzel und Pellets, aber auch aus Energiepflanzen wie Getreide. Zum einen wird die Bioenergie direkt in Heizanlagen erzeugt, zum anderen produzieren Mikroorganismen in Biogasanlagen überwiegend das energiereiche Methan, das in speziellen Anlagen in "Bioerdgas" umgewandelt und anschließend in das Gasnetz eingespeist wird. Die Umwandlung von Getreide in Biosprit ist in der letzten Zeit in die Kritik geraten, weil sie für eine Verknappung von Nahrungsmitteln mitverantwortlich gemacht wird.

In der Regel sind es Maschinenbauingenieure, die die Biomasseanlagen planen und bauen. Um die biologische Betreuung von Biogasanlagen kümmern sich dann Biologen, die sich auf Mikrobiologie spezialisiert haben. Beim Thema Energiepflanzen sind Agraringenieure gefragt.

Speziell mit der Nutzung von Biomasse beschäftigen sich die Studiengänge Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie (Universität Hohenheim) oder der Studiengang BioEnergie der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg. Zu den späteren Aufgaben der Absolventen gehören u.a. die Beratung bei der Planung energieeffizienter Anlagen, die Überwachung des Betriebs von Biomasse-Anlagen, die Beratung beim Energiepflanzenanbau oder Gutachtertätigkeiten.

Neben diesen eher technisch und pflanzenbaulich ausgerichteten Studiengängen gibt es auch Studienangebote, die den Schwerpunkt speziell auf das Management erneuerbarer Energien legen. Ein Beispiel dafür ist der Studiengang "Management erneuerbarer Energien" an der Fachhochschule Weihenstephan.

V. Klimaforschung, Folgen des Klimawandels für Mensch und Natur

Meteorologen untersuchen Wetter und Klima

Jörg Kachelmann, Inge Niedeck, Sven Plöger: Wer kennt sie nicht, die Vorzeige-Meteorologen, die in ARD und ZDF Abend für Abend die Wettervorhersage für die nächsten Tage präsentieren.

"Medienmeteorologen machen aber nur einen ganz kleinen Teil aus,"

erklärt Uwe Kirsche, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach. Das Alltagsgeschäft der Meteorologen beim DWD ist die Wettervorhersage mit all ihren Konsequenzen.

"Klima ist das Wetter der Vergangenheit,"

bringt es Kirsche auf den Punkt. So werten speziell die Klimatologen Wetterdaten aus den letzten Jahrzehnten aus. Statistik, Mathematik, Physik, Strömungsmechanik und Informatik spielen in der Meteorologie eine große Rolle. Auch das Studium der Meteorologie an 12 Universitäten (Diplom-, Bachelor- und Masterstudiengänge), darunter Hamburg, Leipzig, Kiel und Berlin, ist sehr mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet.

"Da machen sich viele falsche Vorstellungen,"

weiß Kirsche aus Erfahrung.

Die Tätigkeiten der Meteorologen sind vielfältig, Zusatzkenntnisse erweisen sich als sehr wertvoll. Denn wenn der DWD Politik und Wirtschaft zu den Folgen des Klimawandels berät, ist zum Beispiel städteplanerisches oder architektonisches Wissen vorteilhaft. So entwickeln Klimatologen des Deutschen Wetterdienstes zurzeit für eine deutsche Großstadt Prognosen für die Stadtplanung, machen Vorschläge zur Baustruktur für eine Zeit, in der das heißere Klima das Leben in Städten beeinträchtigt. Die Prognosen der Klimafachleute sind Grundlagen für weiterreichende politische Entscheidungen, wenn es darum geht, der Klimaerwärmung und ihren Folgen entgegenzuwirken.

Am Fachbereich Wetterdienst der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung wird in Langen und Fürstenfeldbruck eine kleine Anzahl von etwa 15 Studierenden pro Jahrgang in der Laufbahn des gehobenen nichttechnischen Dienstes für die Tätigkeit beim bzw. für den Geoinformationsdienst der Bundeswehr ausgebildet (mehr zur Ausbildung).

Geoökologen erforschen den Klimawandel und seine Folgen

Der Verband der Geoökologie definiert seine Disziplin als "eine querschnittsorientierte Umweltnaturwissenschaft. Sie will die komplexen Zusammenhänge und Wechselwirkungen in der Umwelt verstehen, um Probleme im Spannungsfeld zwischen Mensch und Umwelt zu erkennen, zu analysieren und zu lösen." Damit gehört sie zu den Fachgebieten, die bestens dazu geeignet sind, die Aspekte, Ursachen und Folgen des Klimawandels zu erfassen und zu erforschen. Bekannt auf diesem Gebiet ist das "Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)". Die Forscher am PIK, viele Geowissenschaftler, aber auch Geographen und andere Naturwissenschaftler, untersuchen den globalen Wandel, Klimawirkungen und nachhaltige Entwicklung.

Den Studiengang Geoökologie gibt es an sechs deutschen Universitäten: Bayreuth, Braunschweig, Freiberg, Karlsruhe, Potsdam und Tübingen.

In speziellen Aufgabenbereichen finden sich auch zunehmend Stellen für Geographen, Geologen und vor allem für Geoinformatiker. Mit letzterem Fachgebiet befasst sich studienwahl.de im Oktober ausführlicher.

Biologen beobachten veränderte ökologische Bedingungen für Tiere und Pflanzen

Die Temperaturen steigen im Schnitt auch in Mitteleuropa und so wandern Tier- und Pflanzenarten aus dem Süden nach Deutschland ein. Wie sich die Erderwärmung auf die Natur, aber auch auf Nutzpflanzen und damit auf die Lebensbedingungen auf der Erde auswirkt, das untersuchen Biologen in Universitäten, Forschungsinstituten und Planungsbüros. Sie haben bereits in etlichen Ökosystemen klimabedingte Veränderungen festgestellt, Gletscher ziehen sich zurück, Vögel brüten früher und die Vegetationsperiode vieler Pflanzen hat sich verlängert. Im Mittelmeerraum nimmt wegen der zunehmenden Trockenheit die Anzahl der Waldbrände zu. Besonders empfindlich sind Ökosysteme, die sich nur langsam anpassen können, wie zum Beispiel Gletscher, Feuchtgebiete und Wälder.

Biologen tragen also ebenfalls zur Erforschung, Folgenabschätzung und Strategien bei, wie der Klimawandel gebremst und seine Folgen eingedämmt werden können. Studienmöglichkeiten gibt es an den meisten Universitäten, allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Spezialisierungen.

Ozeanographen (Meereskunde) und Meeresbiologen gehen den Ozeanen auf den Grund

Ozeanographie ist im deutschen Sprachraum die physikalische Meereskunde und erforscht die physikalischen Vorgänge und Aspekte der Meere wie Temperatur, Salzgehalt, Schallgeschwindigkeit, Schwebstoffe, Lichtdurchlässigkeit, Meeresströmungen, Turbulenzen, Wellen, Gezeiten (Ebbe/Flut) und den Wärmetransport der Ozeane. Weil sich die Erderwärmung auch auf Meeresströmungen und das Leben in den Meeren – auch als Nahrungsquelle – auswirkt, sind Ozeanographie und Meeresbiologie wichtige Forschungsdisziplinen für den Klimaschutz. In der Bundesrepublik wird Ozeanographie an den Universitäten Hamburg und Kiel angeboten.

Gesucht: Profis mit Leidenschaft

Wer sich professionell für den Klimaschutz engagieren möchte, findet an den Hochschulen zahlreiche Studiengänge vor, die für die unterschiedlichen Problembereiche und Herausforderungen des Klimaschutzes die fachlichen Kompetenzen vermitteln. Nicht immer ist dies auf den ersten Blick gleich erkennbar. Auf der Suche nach geeigneten Studienmöglichkeiten kann es sich daher lohnen, die Studienpläne oder Studienmodule (die in der Regel auf den Internetseiten der Hochschulen/Fachbereiche zu finden sind) genauer zu betrachten. Die Studienberatungsstellen der Hochschulen geben gerne Auskünfte über umweltrelevante Inhalte des Studiums. Die Absolventinnen und Absolventen erwarten nicht nur sehr gute Berufs- und Karrierechancen in einem zukunftsorientierten Technologie- und Wirtschaftsbereich, sondern auch Jobs, in denen die Kreativität bei der Entwicklung innovativer Lösungen und das Engagement "für die Sache" groß geschrieben werden.

Quelle: www.studienwahl.de 08/2008

Hinweis: In diesem archivierten Artikel werden Informationen und Links nicht aktualisiert.

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